CONCERT REVIEWS

DEBUT Royal Concertgebouw Orchestra

October 2014

NRC Handelsblad

“Het orkest speelde vlammend, kinderen – altijd tuk op actief meedoen – telden hardop mee met de klok die twaalf sloeg en dirigent Antony Hermus toonde zich behalve vakman met een neus voor drama ook dé man voor familievoorstellingen, omdat hij laagdrempelig zijn eigen passie weet over te dragen.”

Telegraaf

“Debuteren bij het Concertgebouworkest en door het publiek met enthousiast gejoel worden ontvangen, het zal je maar gebeuren. Zondagmiddag overkwam het de dirigent Antony Hermus. Hij was degene die het eerste familieconcert van dit seizoen mocht dirigeren. De Grote Zaal van het Concertgebouw zat vol zesplussertjes met hun ouders of grootouders.
Hoewel zijn carrière zich tot nu toe hoofdzakelijk in het buitenland afspeelt, is Hermus (41) ook hier geen onbekende. De Nederlandse dirigent hielp de Reisopera al eens aan een ijzersterke Tristan und Isolde, voorwaar geen sinecure. Bij verschillende orkesten is hij inmiddels een graag geziene gast. Een vaste betrekking heeft Hermus als Generalmusikdirektor in Dessau, waar hij behalve het operahuis ook het symfonieorkest onder zijn hoede heeft. De chef is er mateloos geliefd, getuige de reacties toen hij onlangs zijn vertrek aankondigde.
En nu dus zijn debuut bij een topgezelschap. Het Concertgebouworkest maakt dankbaar gebruik van de familieconcerten om in de luwte met jonge dirigenten kennis te maken. Hermus’ debuut mag geslaagd worden genoemd, zeker met de wetenschap dat de Amsterdamse musici bij nieuwkomers graag de kat uit de boom kijken.
Met vaste hand en gewetensvol leidde hij het orkest door delen uit de balletmuziek die Prokofjev componeerde bij het sprookje Assepoester, repertoire overigens dat het gezelschap nog nooit gespeeld had. Hermus kreeg het orkest goed mee, het musiceren stond als een huis.”


BRUCKNER Symphony Nr 3 in D minor

Anhaltische Philharmonie Dessau
September 2014

“Die Wechsel zwischen lyrischen Momenten, andächtigen Chorälen, eruptionsartigen Ausbrüchen und ekstatischen Hymnen nahmen sich in der Lesart dieses Sinfoniekonzerts nicht germanisch-grimmig aus, sondern eher mit ausbalanciertem Klang und viel Sinn für die bei Bruckner oft unterschätzten Klangfarben. Was zur Dritten gut passte, denn sie enthält musikalische Widmungen an Wagner, nicht zuletzt aus der „Walküre“ – die vor wenigen Tagen in der Regie von Generalintendant André Bücker in Dessau Premiere hatte. Der Anhaltischen Philharmonie gelang eine schlüssige, konzentrierte Interpretation, unter anderem mit wunderbarem Gesang der Streicher (schöne Bratschensoli!) und einem hervorragenden Hornsatz. Schade, dass man von Hermus, zumindest als Generalmusikdirektor, in der Muldestadt wohl keine weitere Bruckner-Aufführung hören wird. Langer Applaus.”


“ITALIANITÀ” program

Anhaltische Philharmonie Dessau
July 2014

“Das Dessauer Orchester hat Großaufgaben im Operngraben von Wagner bis Schostakowitsch mit Bravour gemeistert, hat zahlreiche Sonderkonzerte gegeben, sich in mannigfaltige Kammermusikensembles aufgespalten und Schulprojekte bestritten. Gerade in den regulären Sinfoniekonzerten, die durchweg gut bis sehr gut besucht waren, wurde aber deutlich, auf welch hohem Niveau die Philharmonie zu spielen in der Lage ist. Das fiel auch überregional auf, etwa dem Rezensenten der Frankfurter Allgemeinen nach dem Beethoven-Marathon mit Ragna Schirmer. Das letzte Sinfoniekonzert der Saison bestätigte mit einem Gourmet-Programm aus der italienischen Küche den Eindruck – wobei die Musikerinnen und Musiker Schwerstarbeit leisten mussten, um die musikalischen Gerichte federleicht zu servieren. Was auch daran lag, dass “Chefkoch” und Generalmusikdirektor Antony Hermus (damit genug der Kulinarik) sich wie gewohnt nicht mit mittlerer Geschwindigkeit und moderater Lautstärke zufriedengab. In Gioacchino Rossinis Ouvertüre zur Oper “Die diebische Elster” etwa folgt nach staatstragendem Beginn ein Allegro, dessen Triolen Hermus wie mit einem Katapult auf den Höhepunkt zu beschleunigte. Um gleich danach, in einer Art Walzer, die ohnehin sparsame Streicherbegleitung unter der kecken Oboenmelodie auf einen Hauch zu reduzieren. Holz- und Blechbläser mussten dazu präzise wie Florettfechter ihre Töne einwerfen. Das war Musik, die vibrierte vor Lebensfreude, Musizieren ohne Netz und doppelten Boden. Veritable Herausforderung Nicht weniger galt das für Peter Tschaikowskys “Capriccio italien”, das zwar auch ein russischer Schmachtfetzen ist, aber in Hülle und Fülle offene Blechbläsereinsätze bereit hält und durchsichtiges Gewisper in Streichern und Holzbläsern, dazu virtuoses Schlagwerk. Es flogen die Bögen, Finger und Hände. Doch nicht zum letzten Mal, denn am Schluss stand Ottorino Respighis impressionistisch flirrendes Meisterwerk “Pini di Roma”, eine Hommage an die Pinienwälder der ewigen Stadt: technisch eine veritable Herausforderung für das Orchester, die mit so viel musikantischer Energie bewältigt wurde, dass gelegentliche Unsauberkeiten nicht ins Gewicht fielen. Genial: Der Übergang vom atmosphärischen Vogelgezwitscher des Gianicolo-Hügels zum düsteren Stampfen der Via Appia, das in einem fast erschreckend pompösen Marsch endet.”


VERDI Requiem

Anhaltische Philharmonie Dessau
November 2013

Mitteldeutsche Zeitung, November 2013

“Schon beim einleitenden “Requiem”, das zunächst wie aus dem Nichts beginnt mit seiner Atmosphäre geladenen Steigerung sowohl im Orchester als auch in der Zusammenstellung der Stimmen, stellt sich eine starke, geradezu physische Ergriffenheit ein. Wie hier der Chor fast lautlos den Text deklamiert und vom Orchester nahezu unhörbar begleitet wird, ist ganz große Kunst. Hermus setzte ganz auf Dramatik der Musik, auch im “Dies irae”, wo Verdi die Horrorversion des Jüngsten Gerichts skizziert. Das klang tatsächlich nach den Schreckensschreien der Menschen im Angesicht der Hölle. Dennoch – Verdis Requiem ist kein sentimentales Trauerstück, sondern kraftvoll, gefühlsstark, spannungsgeladen. Hermus’ von viel Dramatik getragene Interpretation war zwar tief emotional unterfüttert, blieb aber immer kontrolliert.”


CONCERT Beethoven / Rachmaninoff

Anhaltische Philharmonie Dessau
May 2013

Main Post, May 2013

“Im Gepäck hatte die Anhaltische Philharmonie Dessau ein Abonnenten-Programm, wie aus dem Lehrbuch: ein Repertoirestück, ein Virtuosen-Konzert und eine Orchester–Rarität. Zu Beginn Beethovens Egmont Ouvertüre, gängiges Paradestück für Musiker weltweit, gerne zur effektvollen Konzerteröffnung genutzt. Was auch den Dessauern routiniert gelang. Und bereits hier wurde deutlich, über welch fabelhafte Intonation und Klangkultur dieses Orchester unter der Leitung seines GMD Antony Hermus verfügt. Kein Wackler bei Blech- oder Holzbläsern, keine Intonationstrübungen beim Streichapparat, das ist Musizieren auf hohem Orchesterniveau, gerade bei einem Repertoirestück, nicht unbedingt das Übliche, was zu erwarten wäre.

Analytische Klangkulisse
Gleiches kann man von Sergej Rachmaninoffs Sinfonischen Tänzen, op. 45 zum Abschluss des Konzertabends sagen. Rachmaninoffs letzte Komposition und Schlussstrich unter dessen Lebenswerk ist in den Konzertsälen der Welt nur selten zu hören. Umso spannender war, wie die Dessauer Philharmonie unter Antony Hermus das spirituelle, über weite Strecken tief melancholische, Werk angingen.
Die Streicherelegien wurden zu schön abgetönten, bebenden Momenten der Langsamkeit, ohne dass der Orchesterklang dabei in sentimentale Gefühlsduselei abglitt. Durchdacht packend in der Interpretation, im Schlusssatz eine fast analytische Klangkulisse der russisch-orthodoxen Liturgie im Forte. Großer nachhaltiger Applaus.”


Nürnberger Philharmoniker

July 2013

Jens Voskamp Nürnberger Nachrichten 14 July 2013

“Richtig in Stimmung gebracht hatte sich das Orchester unter der aufmerksamen wie wendigen Leitung des Dessauer Generalmusikdirektors Antony Hermus mit den folkloristisch inspirierten “Three Latin American Dances” von US-Komponistin Gabriela Lena Frank (Jahrgang 1972). Nach einem Dschungel-Ausflug bietet “Highland Harawi” Gelegenheit für eine große Klimax, bevor ein Mestizen-Walzer eine Fiesta an Rhythmen bietet.
Zum Schluss grassierte ein bisschen Open-Air-Fieber: Leonard Bernsteins sinfonische Tänze aus der ”West Side Story” boten Gelegenheit, die harmonische Zusammenarbeit des niederländischen Dirigenten (übrigens ein Schüler vom früheren Symphoniker-Chef Jac van Steen) mit der Philharmonie kulminieren zu lassen.”


BEETHOVEN Symphony Nr 9

Anhaltische Philharmonie Dessau
January 2013

Erhard Hellwig-Kühn Mitteldeutsche Zeitung 03 January 2013

Philharmoniker begeistern mit Beethovens «Neunter»
Ganz im Zeichen des klassischen Humanitätsideals der Brüderlichkeit stehen Beethovens 9. Sinfonie und ihr berühmtes Chorfinale auf Schillers “Ode an die Freude”. Die “Neunte” von Beethoven gehört zum Jahresausklang bzw. zur Begrüßung des neuen Jahres ebenso wie der Sekt, Feierlaune und großes Feuerwerk. Und noch heute hat die Ode “An die Freude” im Finalsatz eine magische und erhebende Wirkung auf die Zuhörer.

Frau Goethe lässt grüßen
Am Neujahrstag spielte die Anhaltische Philharmonie mit ihrem Generalmusikdirektor Antony Hermus diese Choral-Sinfonie im Anhaltischen Theater Dessau. Zuvor aber begrüßte der Maestro sein Publikum – sympathisch und charmant – mit einem “Rezept für ein heiteres Jahr” von Catharina Elisabeth Goethe, der Mutter von Johann Wolfgang: Man solle die kommenden Monate von Bitterkeit, Geiz, Angst und Pedanterie sauber putzen, und jeden Tag einzeln aus einem Teil Arbeit und zwei Teilen Frohsinn und Humor anrichten, drei Esslöffel Optimismus, Toleranz, ein Körnchen Ironie und eine Prise Takt hinzufügen, um dann die Masse mit reichlich Liebe zu übergießen. Sehr passend zu dem, was Hermus danach ablieferte.
Um es vorweg zu nehmen: Die Aufführung dieses Werkes kann man ohne Abstriche als außerordentlich gelungen bezeichnen. Der erste Satz Allegro ma non troppo war ausdrucksstark. Der zweite Satz strotzte vor Temperament, das vom engagiert den Takt angebenden Hermus auf die Musiker überging. Dieses Unwirsch-Getriebene, das Schroffe am Beginn durch die punktierten Oktavsprünge, gefolgt von einem wilden spukhaften Ritt, dem dann erst das Gemächliche, von Holzbläsern eingeleitete Trio Einhalt gebietet, gelang in seinem Kontrast vorzüglich. Es fesselte. Spätestens hier konnte man nachempfinden, dass es für einen Schlagzeuger eine wohltuende Herausforderung, ja ein Genuss ist, Beethoven mit dem Schlagwerk zu begleiten, nicht nur als Lärm im Hintergrund, sondern gekonnt solistisch.
Der dritte Satz bot alle Momente depressiver Ausdrucksstärke. Man fühlte sich dem Komponisten nahe, wie er gelitten hat, seine Enttäuschung über die Menschheit, die Verzweiflung, die Kriege und die Traurigkeit. Dies brachte der ansonsten temperamentvolle Hermus einfühlsam an die Oberfläche. Das Presto des vierten Satzes ist schön – eine wilde Dissonanz, die auch so jetzt notwendig wurde, um in ein ausdrucksstarkes “Freude, schöner Götterfunken”-Thema hinzuleiten. Der Schlusschor, gesungen vom bestens disponierten Opernchor des Anhaltischen Theaters und verstärkt durch einen Scratch-Chor, überzeugte. Ebenso überzeugten die Gesangssolisten (Angelina Ruzzafanta, Sopran, Rita Kapfhammer, Alt, Artjom Korotkov, Tenor, und Ulf Paulsen, Bass) unbedingt. Das weltumspannende Gefühl der Menschenverbundenheit, das hatte Beethoven schon im Sinn, als er Strophen des Schiller-Gedichts im letzten Satz vertonte. Beethoven lässt sie zuerst von den Streichern spielen – nach einer Reihe von Variationen tritt dann der Chor dazu, ein gewaltiger chorisch-solistischer Rundgesang setzt ein, den Hermus meisterhaft inszeniert. Diese Steigerung vom Instrumentalen ins monumental Vokale, die von Zeitgenossen seinerzeit als Ungeheuerlichkeit empfunden wurde, setzte Hermus glänzend um. Mit einem langen Applaus dankte das Publikum allen Akteuren, einschließlich des sichtlich geschafften Hermus.”


BRUCKNER Symphony Nr 9

Anhaltische Philharmonie Dessau
November 2012

Mitteldeutsche Zeitung, November 2012

“Die hervorragende Verfassung der Anhaltische Philharmonie war an diesem Abend schon in der “Freischütz”-Ouvertüre deutlich geworden, die Antony Hermus mit dramaturgischem Geschick gestaltete. Über welches Potenzial das Orchester verfügt, trat jedoch vollends in Bruckners 9. Sinfonie zutage. An ihr schrieb der Meister angeblich noch an seinem Todestag, doch der vierte Satz ist trotzdem nur als Fragment erhalten.
Geadeltes Publikum
Indes reichen die ersten drei Abschnitte für ein erfüllendes Hörerlebnis vollkommen aus, vor allem, wenn sie so konzentriert dargeboten werden wie hier. Antony Hermus las die Sinfonie zurecht nicht als klangsüffiges Resümee eines Künstlerlebens, sondern schälte die bestürzend modernen Strukturen des Werkes heraus. Stimmen werden da radikal gegeneinander, die Harmonik bis über die Grenzen der Tonalität hinaus geführt. Den schier endlosen Steigerungen, samtenen Chorälen, dann wieder eruptiven Ausbrüchen begegneten die Philharmoniker in allen Registern mit einer Ausgeglichenheit, die selbst bei den Brucknertagen in Sankt Florian Aufsehen erregt hätte. Der Teufel macht sich übrigens auch in Bruckners Neunter breit, gerade in den stampfenden Rhythmen des zweiten Satzes. Am Ende jedoch fällt alle Gefährdung ab – und der Abend klingt aus in lichtem, makellosem E-Dur. Der außergewöhnlich lange Applaus adelte auch das Publikum, das begriffen hatte, welch große Leistung hier vollbracht worden war.”


PROKOFIEV Romeo & Juliet

Nationaal Jeugd Orkest

“Zeer overtuigend was ook het optreden van Antony Hermus (1973), zonder twijfel één van Nederlands grootste dirigeertalenten. Met een persoonlijke, uiterst expressieve slagtechniek wist hij de jonge orkestleden op het puntje van hun stoel te krijgen. Dat hij pas drie dagen eerder uit Taiwan overvloog was aan zijn soevereine optreden niet te merken.”


Anhaltische Philharmonie Dessau in Konzerthaus Berlin

December 2011

Frederik Hanssen, Der Tagesspiegel, 28 December 2011

Das Team ist der Star
Antony Hermus dirigiert im Konzerthaus.

Da sitzt man an diesem zweiten Weihnachtsfeiertag im nahezu ausverkauften Konzerthaus am Gendarmenmarkt, beobachtet Antony Hermus dabei, wie er seine Anhaltische Philharmonie Dessau durch Antonin Dvoraks achte Sinfonie leitet – und denkt sich: An wen erinnert mich dieser 38-jährige holländische Dirigent bloß? Ja, richtig: an Jürgen Klopp!
Wie der Fußballtrainer ist auch Antony Hermus ein Wir-Typ, ein Teamgeist-Prediger, genrebedingt nur eben nicht mit Worten, sondern mit Gesten. Energetisch wie bei einem Motivationscoach wirken seine Bewegungen, ermunternd, zielführend. Und tatsächlich vermag er mit dieser Taktik ein Maximum an Engagement aus seinem Team herauszuholen.
Ein saftiger, enorm farbenreicher Sound ist da am Montag zu hören, ein äußerst lebendiges, plastisches Musizieren, sehr direkt und opernhaft.
Mächtig kann die Anhaltische Philharmonie auftrumpfen, wo es der vaterländische Furor in Smetanas „Aus Böhmens Hain und Flur“ verlangt. Ebenso aber gelingen immer wieder auch innige, beseelte Momente, beispielsweise im Finalsatz der Dvorak-Sinfonie beim Thema der Celli. Überhaupt bleiben bei dieser festlich erstrahlenden Achten keine Wünsche offen. Im Fall von Smetanas Tondichtung dagegen hätten die Streicher noch an einigen heiklen Stellen feilen können.
Unprätentiös spielt Ragna Schirmer Mozarts A-Dur Klavierkonzert KV 488, ganz ohne Virtuosenzauber. Den stärksten Eindruck hinterlässt so die Pizzicato- Passage am Ende des Adagios, bei der die Solistin nur noch einzelne Töne anschlägt – und dabei wirkt wie eine einsame Wanderin in winterlichem Land.
Jürgen Klopp, der Trainer, ist mit dem FSV Mainz bekannt geworden und mit Borussia Dortmund berühmt. Antony Hermus startete seine Karriere am Stadttheater Hagen und arbeitet sich seit 2009 nun mit den Dessauern in der deutschen Bühnenliga hoch. Wie Klopp hat auch der heitere Holländer einen leicht clownesken Einschlag, ebenso wie er verweigert sich der Maestro dem üblichen Dresscode, steigt im Konzerthaus in kurzer schwarzer Kutte aufs Podium. Rundum sympathisch.”


CLASSIC OPEN AIR

Anhaltische Philharmonie Dessau
July 2011

Udo Badelt, Der Tagesspiegel, 9 July 2011

Fest und Feuer: Classic Open Air am Gendarmenmarkt
“Erst seit 2009 leitet Antony Hermus die Anhaltische Philharmonie Dessau, doch die Früchte kann man jetzt schon hören: Bei der Eröffnung von Classic Open Air am Gendarmenmarkt. Mit fester Hand und entschlossener Gestik hat der Niederländer sein traditionsreiches, 1766 gegründetes Orchester in der Hand, Händels Feuer- und Wassermusiken klingen so noch festlicher, Strauss’ „Fledermaus“-Ouvertüre noch walzerseliger, Verdis Chor der spanischen Stierkämpfer aus „La Traviata“ noch feuriger als sonst. Die Musiker sind zweifellos der Höhepunkt dieses für Initiator Gerhard Kämpfe so glücklichen Abends.”


SCHUMANN Symphony Nr 4

Anhaltische Philharmonie Dessau
April 2010

“Das war ein Schumann, wie ihn Dessau schon lange nicht mehr gehört hatte. Passend zum 200. Geburtsjahr des Komponisten stand seine d-Moll-Sinfonie auf dem Programm des jüngsten Abonnementkonzerts.

Interessant vom ersten Takt
Der Zählung nach gilt sie als Schumanns viertes, entstanden war sie jedoch unmittelbar nach dem ersten, “Frühlingssinfonie” genannten Orchesterwerk – zumindest in der Urfassung. So klang es auch: Ursprünglich, heiter und mit einer Konsequenz transparent, die am Ende alle Erwartungen übertraf. Der Generalmusikdirektor verzichtete auf jedwede Ingredienz für eine romantische Soße, die sich mit Hilfe dieser Partitur und vor allem der oft bemängelten Schumannschen Instrumentierung auch anrühren lässt: Klangballast, statisches Fortissimo, langsame Tempi, schwülstige Agogik. Antony Hermus’ Version bejubelte viel eher den Frühling, als dass sie mit dem Ende der Karwoche und dem schwermütigen Konzertmotto “Klagelieder” leiden wollte. Seine quicklebendige Leitung kam einer gestalterischen Herausforderung an das Orchester gleich. Es verlieh dem Finalwerk des Abends Optimismus, Energie, Kraft und Elan – Eigenschaften also, aus denen der Geist der Klassik sprach.
Schön war’s und vom ersten bis zum letzten Takt interessant. Hermus näherte sich dem attacca verbundenen Viersätzer von der gesanglichen Seite, vom Klangsinnlichen her. Vielleicht hat man die Holzbläser deshalb selten so kantabel vernommen. Neben bildschönen Soli von Violine und Cello im zweiten, dem witzigen Tänzeln im dritten und einer dramatischen Anwandlung vor dem vierten Satz, neben gründlicher Differenzierung in Dynamik, Artikulation und Ausdruck besaß diese “Vierte” einen weiteren Vorzug: ihre emotionale Mitteilsamkeit, ihr musikantisches Sendungsbewusstsein.
Wie sehr eine mit so viel Herzblut offerierte Schumann-Sinfonie zu begeistern vermag, zeigte der Applaus – zumal Hermus den Finalsatz gejagt hatte, als werde er von einer Stoppuhr verfolgt. Die Beschleunigung war vom Komponisten wohl auch intendiert, hatte er doch Vorschriften wie “Stringendo” und “Schneller” bis zum “Presto” in die Partitur notiert. Das reizten die Dessauer Musiker aus, ohne ihren weichen Grundton und die rhythmische Präzision zu vernachlässigen. Kurzum: Mit Schumann hatten der Konzertabend, Antony Hermus und das Orchester ihren Meister gefunden.”


BEETHOVEN Symphony Nr 3 “Eroica”

Anhaltische Philharmonie Dessau
October 2009

“Hermus und sein glänzend präpariertes Orchester lieferten den Beweis dafür, dass es möglich ist, den besagten Anfangssatz in größter Natürlichkeit in einem wahren Höllentempo zu spielen – so, wie es Beethoven wollte. Das allein hätte für eine – sagen wir es ruhig – sensationelle Aufführung freilich nicht gereicht. Aber es machte exemplarisch deutlich, wie mutig und konsequent der neue musikalische Leiter des Dessauer Theaters seine Arbeit angeht.
Innerhalb weniger Monate hat Hermus im Orchester eine Klangkultur etabliert, die schlicht frappierend ist. Er gewichtet die Stimmen aufs Klügste, kultiviert feinstes Wispern ebenso wie eine klangvolle Mittellage oder ein explosives Forte. Kurz: Er präsentiert sich als Meister der wohl kalkulierten Effekte, ohne dabei Effekthascherei zu betreiben. Paradox: Nichts scheint bei dem Holländer zufällig zu geschehen, und doch überrascht vieles. Auch die neue Orchesteraufstellung, die in der Beethoven-Sinfonie zu reizvollen Stereo-Effekten zwischen den ersten Geigen auf der linken und den zweiten Geigen auf der rechten Seite führte.”

“Music is the language of passion.”Richard Wagner